Zu Fuß von Ortschaft zu Ortschaft - Mehringen auf der Landesgartenschau

Zu Fuß von Ortschaft zu Ortschaft - Mehringen auf der Landesgartenschau

Erntekrone wird gebunden
Ein Erntekranz wird gebunden
Die Mehringer Landfrauen Brita Kroh (l.) und Annette Winkler beim Erntekranzbinden. (FOTO: MZ)


ASCHERSLEBEN/MZ. Neu Königsaue und Westdorf trennen, wenn es hoch kommt, fünf Meter Luftlinie. Und auch Schackenthal ist von Winningen aus zu Fuß in weniger als zehn Sekunden erreicht. Ein Spaziergang von Ortschaft zu Ortschaft der Stadt Aschersleben war am Sonntag selbst für Lauffaule möglich. Am Sonntag präsentierten sich die elf zwischen 2004 und 2010 eingemeindeten Ortsteile Winningen, Klein Schierstedt, Wilsleben, Drohndorf, Freckleben, Mehringen, Neu Königsaue, Groß Schierstedt, Schackenthal, Westdorf und Schackstedt auf der Landesgartenschau. "Jeder ist dabei, das gab's in dieser Form noch nie", so Siegrun Ponikelsky über das Fest der Ortsteile. Um die 200 Akteure aus den unterschiedlichsten Vereinen, von Sport- bis Heimatverein, spiegelten, so die Veranstaltungsmanagerin, das kulturelle Bild ihrer Dörfer in der Kernstadt und gegenüber den zahlreichen Besuchern wider.



Eröffnet wurde das Fest auf der Herrenbreite durch die Ortsbürgermeister und den Oberbürgermeister der Stadt Aschersleben, Andreas Michelmann, der spontan das Eröffnungsständchen des Schierstedter Spielmannszugs dirigierte. Nicht die einzige musikalische Einlage an diesem Tag, hatten neben ihm auch die Kinder der Grundschule und Kindertagesstätte Mehringen, der Männerchor Freckleben, die Kindertanzgruppe sowie der Frauenchor aus Klein Schierstedt ihre großen Auftritte auf der Hauptbühne. Nicht mit von der Partie, weil in Heidelberg, und trotzdem vom Band zu hören, war der Männerchor "Constantia" aus Westdorf. Das arrangierte Ortsbürgermeister Karl-Heinz Trinka, der das "Westdorf-Lied", einst gedichtet vom Sangesbruder Gerhard Runge, auflegen ließ. In dem, erzählt er, heißt es "Weißt du nicht, wo Westdorf liegt..."

Etwa 15 Kilometer westlich von Schackstedt. Und dort weiß man, wie man "jemandem einen Strick dreht", gibt es doch dort einen Handwerker-Gesellen-Verein. Besonderes Interesse an den Kordeln und Stricken zeigten die zehn Mitglieder der Jugendfeuerwehr Westdorf. Klar, denn mit Knotenkunde beschäftigen sie sich. Die gehört schließlich zu den Grundlagen des Einsatzdienstes. Jeden Freitag treffen sie sich drei Stunden lang "zum Dienst", so Jugendwart Marcus Brune. Doch es wird nicht immer nur "gearbeitet", spricht er von gemeinsamen Freizeitaktivitäten, von "Spiel, Sport und Spaß".

Den versteht der Feuerwehrnachwuchs: "Hühner vor!", steht auf der Ansaugpumpe für den Löschangriff. Warum, erklärt Brune so: 1995 wurde die Jugendfeuerwehr gegründet, "und keine Ahnung, woran es liegt, der Mädchenanteil ist seit jeher höher". Das höre man hin und wieder, was zwangsläufig zu dem Titel der "Gacker- beziehungsweise Hühnerfeuerwehr" geführt habe. Deshalb kann sich der Jugendwart mit Blick auf die Mädels, die unter Anleitung von Schackstedts Bürgermeister Dieter Wöhlbier an der Handkurbel zugange sind und mit seiner Hilfe den Strick drehen, ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Zum Handwerk der Landfrauen gehört hingegen das Binden der Erntekrone. Sowohl die Wilslebener als auch die Mehringer nutzten das Fest der Ortsteile, den Schmuck vor Publikum fertigzustellen. "Eine Erntekrone binden wir jedes Jahr für unser großes Erntedankfest", sagt Angela Brennecke, "und in diesem gibt es sogar zwei", fertigen die Kinder ihre eigene an, die am ersten Oktoberwochenende zum Festumzug auf dem Wagen mitfahren wird. Das Fest der Ortsteile hält Brennecke für eine "schöne Sache", wobei es für sie eher Wiedersehen als Kennenlernen ist, "denn viele von uns kennen sich untereinander".

Dass der Bekanntheitsgrad der Burg Freckleben steigt und viele Besucher am kommenden Wochenende zum Tag des offenen Denkmals den Weg zur romanischen Befestigungsanlage finden, das erhofft sich Ortsbürgermeister Kai Hohmann von der Veranstaltung. Um das Interesse der Gartenschaubesucher zu wecken, hat der Heimatverein zwei Burgmodelle aus der Heimatstube mitgebracht - eines von der kompletten Anlage und ein zweites vom Bergfried mit der Drehspindelleiter und die, so Hohmann, sei immerhin deutschlandweit einzigartig.

Mitteldeutsche Zeitung VON SUSANNE THON, 05.09.10

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