Windhose im Kirchgarten
Eine Windhose tobte für wenige Minuten in Mehringen im Salzlandkreis. (FOTO: MZ)
MEHRINGEN/MZ. "Das Konzert entfällt heute leider!" steht auf dem gelben Zettel, den die junge Frau an das schmiedeeiserne Tor des Mehringer Kirchgartens klebt. Dahinter ein Bild des Grauens. Riesige Bäume liegen zersplittert auf Wegen und Rasen. Herabgerissene Äste und umgeworfene Stämme von Linden und Ahornbäumen versperren den Weg zum Gotteshaus.

Auch die Gartenbank ist zerstört. (FOTO: FRANK GEHRMANN)
Eine Windhose - äußerst begrenzt, aber mit heftiger Gewalt - hat Freitagabend innerhalb von zwei, höchstens drei Minuten rund um die Mehringer Kirche ein Bild der Verwüstung hinterlassen. "So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen", zeigt sich Detlef Wittich noch immer ganz geschockt. "Es war wie im Winter, alles war schneeweiß und der Wind ist fast horizontal hier durchgezogen", erzählt der junge Mann, der das Unwetter von seinem Dachbodenfenster aus beobachtet hatte. "Die Ziegel fingen an zu klappern, dann hat es nur noch gerumst und gekracht - und in zwei Minuten war alles vorbei."
Als er nach unten ging, entdeckte der Mehringer einen riesigen Ast seines Ahorns, der auf der Straße lag, zertrümmerte Gartenstühle und Bänke. Der Kugelbaum, der Mittelpunkt des Hofes, war zur Hälfte abgerissen. "Der hat hier immer die meiste Pflege abbekommen", schaut er traurig auf die Überreste, winkt aber ab: "Das ist alles nichts im Vergleich zum Kirchgarten."
Dort liegen rote Ziegel im frischgemähten Gras. "Und die armen Buntspechte sind alle tot", zeigt eine Anwohnerin auf die jungen Vögel, die zwischen den umgestürzten Bäumen liegen. "Wenn die Konzertbesucher gerade hier lang gegangen wären", schüttelt sie den Kopf. Hinter der Kirche liegt ein noch größerer Baum, der direkt auf die alte Gruft gestürzt ist. Ein Stück daneben, im Garten der Anwohner, ein umgestürzter Holzschuppen und ein völlig verbeulter Pavillon. "Den haben wir erst vor vier Wochen gekauft", erklärt die achtjährige Laura.
"Normalerweise spielen die Kinder darunter, die wären jetzt tot gewesen", meint ihre Mutter Alexandra Schulz mit Tränen in den Augen. Als das Unwetter losging, waren ihre Tochter und deren Freundin auf der Straße spielen. Bei der Oma der Freundin hatten sie jedoch noch rechtzeitig Unterschlupf gefunden. "Doch das wusste ich nicht, ich habe sie gesucht, aber die Tür nicht aufbekommen", berichtet sie von einer richtigen Druckwelle. "Alles lag draußen herum, aber meine Nachbarn haben mir geholfen, die Gartengeräte in Sicherheit zu bringen."
Einer davon, Frank Hahm, steht schon oben auf der Leiter, um an seinem eigenen Dach geplatzte Ziegel auszutauschen. "Da müssen wohl Äste dagegen geflogen sein", meint der Geräteführer, der die Reparatur gleich selbst übernimmt. "Zum Glück hatten wir noch Ziegel liegen."
Fotogalerie: Windhose wütet in Mehringen
Mitteldeutsche Zeitung VON REGINE LOTZMANN, 11.05.12