Wie von Geisterhand wieder Ordnung eingekehrt
Abfallwirtschaftsbetrieb holt die illegal am Ortsrand von Mehringen abgelegten Autoreifen ab 
Von dem Reifenstapel dürfte am Mittwoch nichts mehr übrig geblieben sein. Der Abfallwirtschaftsbetrieb hat die Reifen abgeholt. (FOTO: FRANK GEHRMANN, ARCHIV)
MEHRINGEN/MZ. "Ein Teil der Reifen ist weg." Dieser Hinweis ging am Dienstag bei der MZ-Lokalredaktion in Aschersleben von einem Anrufer aus Mehringen ein. Wie von Geisterhand war die Mehrheit der an der ehemaligen Walkmühle am Ortsrand von Mehringen abgelagerten Autoreifen (die MZ berichtete) plötzlich verschwunden. Doch die Vermutung des Anwohners, es seien die Täter gewesen, die nach dem Artikel kalte Füße bekommen hätten und die Reifen wieder an sich nahmen, bestätigte sich nicht.
"Die Polizei hat das O.K. gegeben, die Reifen zu entsorgen", gab Polizeisprecherin Katja Loichen-Kurth bekannt. Da die Vor-Ort-Beweisaufnahme nach Angaben Loichen-Kurths vom ermittelnden Kollegen abgeschlossen war, konnte der Landkreis am Dienstag mit der Beseitigung der vor rund vier Wochen illegal entsorgten mehr als 200 abgefahrenen Autoreifen beginnen.
Lkw samt Kran ist ausgerückt
Bereits in den frühen Morgenstunden rückten zwei Mitarbeiter des in Schönebeck ansässigen Abfallwirtschaftsbetrieb des Salzlandkreises mit einem Lkw samt Ladekran aus. "Eine Fahrt hat dafür nicht ausgereicht", sagte Reinhold Kockx, der Beauftragte für die Betriebsorganisation des Abfallwirtschaftsbetriebs. Zunächst konnten 105 Reifen abgeholt werden. Bei einer zweiten Tour wurden am Dienstag 106 Reifen auf den Laster aufgeladen und nach Schönebeck gebracht. Die restlichen etwa 60 Autoreifen werden gemeinsam mit der ebenfalls nahe Mehringen in der Wildnis illegal entsorgten Couch auf die Ladefläche verfrachtet und abtransportiert.
Reifen zunächst zwischengelagert
"Zunächst werden die Reifen auf einer ehemaligen Deponie zwischengelagert", sagte Kockx. Denn der Reifenverwerter aus Braunsbedra, bei dem üblicherweise die gesammelten Reifen des Abfallwirtschaftsbetriebs entsorgt werden, befindet sich in der Insolvenz. "Jetzt müssen wir erst einen neuen Verwerter für die Reifen finden", erklärte der Mitarbeiter des Schönebecker Abfallwirtschaftsbetriebs.
Täter noch nicht ermittelt
Während die Spuren dieser illegalen Müllentsorgung im Laufe des Mittwochs verwischt sein dürften, ermitteln die Ordnungshüter weiter nach den Tätern. "Das Verfahren zu dem Fall ist noch nicht abgeschlossen", sagte Polizeisprecherin Katja Loichen-Kurth. Man könne deshalb noch nichts zum derzeitigen Ermittlungsstand sagen oder ob es möglicherweise schon erste Verdächtige in dem Fall gebe.
Falls die Täter ausfindig gemacht werden können, droht ihnen nach dem Kreislaufwirtschafts- / Abfallgesetz ein Bußgeld in einer Höhe von bis zu 50 000 Euro. Hinzu kommen die Verfahrens- und die Entsorgungskosten.
Mitteldeutsche Zeitung VON KATHARINA THORMANN, 16.03.10