Sturmjäger ermittelt

Sturmjäger ermittelt

Torsten Stein
Der Bernburger Torsten Stein ist nicht nur bei Wind und Wetter unterwegs, sondern auch danach. (FOTO: FRANK GEHRMANN)

MEHRINGEN/MZ. Die Schäden zwischen Westerberg- und Kreisstraße in Mehringen sind noch nicht behoben. Torsten Stein dokumentiert sie minutiös in seiner Checkliste. "Ein paar Dutzend Tornados sind es schon im Jahr, die hierzulande auftreten", sagt er. Ob es sich bei der vermeintlichen Windhose, die am Freitag über Ascherslebens Ortsteil gezogen ist, tatsächlich um eine solche handelt, das will der Bernburger herausfinden.



Stein ist ein sogenannter Spotter und Mitglied im Verein Skywarn Deutschland, der eng mit den Wetterdiensten zusammenarbeitet. Seine Aufgabe besteht, wie die aller Wetterbeobachter, darin, kritische Unwetterlagen in Echtzeit zu melden. Das geht aber erst, wenn man das Unwetter sieht: "Eine schwarze Wolke am Himmel sagt noch nichts aus", sagt Stein. Sobald Wettervorhersage und Niederschlagsradar von einer besonderen Wetterlage künden, dann setzt er sich ins Auto, ausgestattet mit allem, was er zur Beobachtung braucht. Neben der Sturmjagd, bei der Sicherheit oberste Priorität hat, wie Stein betont, müssen die Spotter aber auch Schadensanalysen - wie in Mehringen - betreiben. Nur so lassen sich Tornado-Verdachtsfälle bestätigen oder ausschließen.

Drei Tage nach der ersten Begehung vor Ort steht fest: Ein Tornado war es wohl nicht. Schäden und Zeugenaussagen sprechen dagegen. "Es wurde immer nur von einer weißen Wand gesprochen", erklärt Stein. Zwei Arten von Windgeschehen kommen daher nur in Frage: Microburst oder Funnel. "Ein Microburst ist ein extrem starken Fallwind, der auch kleinräumig auftreten kann", erläutert der Wetter-Spotter, der seine Dokumentation im Skywarn-Forum zur Diskussion gestellt hat. Ebenso denkbar sei aber, dass es sich bei der Erscheinung in Mehringen um ein Funnel, eine Trichterwolke, handelt, also einen "beginnenden Tornado". Im Gegensatz zu selbigen berührt die Luftsäule den Boden aber nicht. Unklar ist auch noch die Zugrichtung. "Fakt ist, sie steht im 90-Grad-Winkel gegen die Windrichtung", sagt Stein, der am Montag erneut in Mehringen war, in der Hoffnung, weitere Augenzeugen anzutreffen. In Sachen Windgeschwindigkeit sind sich die Wetterbeobachter indes einig. Nach der Fujita- / Torro-Skala gehen sie anhand der Sachschäden von einer Geschwindigkeit zwischen 91 und 150 Kilometer pro Stunde aus.

Mitteldeutsche Zeitung VON SUSANNE THON, 14.05.12

Zurück zur Übersicht