Stadt bekennt sich zum Schulstandort Mehringen
Der Grundschulstandort Mehringen scheint gesichert. Die Stadträte haben dafür einen wichtigen Beschluss gefasst. (BILD: Frank gehrmann)
Die Stadtratssitzung am Mittwochabend hat so viele Zuhörer erlebt wie lange nicht. Vor allem Schulleiter, Lehrer und Eltern hatten sich eingefunden, um die Debatte zu verfolgen. Der Stadtrat will für drei Schulen Geld in die Hand nehmen.
Aschersleben/MZ.
Bei Silvia Wollmann löste sich die Anspannung nach der Sitzung in Tränen auf. Es waren Tränen der Erleichterung, denen die Schulleiterin der Mehringer Grundschule freien Lauf ließ. Jahrelang wusste sie nicht, wie es weitergeht mit ihrer Einrichtung. Weil die eigene Schule in Mehringen aus baulichen Gründen geschlossen werden musste, nutzen die Kinder derzeit Räume in der Olearius-Schule. Mit ihrem Beschluss, trotz sinkender Schülerzahlen viel Geld in die Hand zu nehmen, haben sich die Stadträte nun zum Schulstandort Mehringen bekannt.
Und das, obwohl das Land die Schule für nicht förderwürdig hält und deshalb kein Geld vom Land fließt. Sie hätten auch anders entscheiden können, die Verwaltung hatte drei Varianten zur Diskussion gestellt: Von einem Neubau der im gleichen Haus untergebrachten Kindertagesstätte über die jetzt favorisierte Variante einer gemeinsamen Nutzung bis hin zur Aufgabe des Standortes. Die übergroße Mehrheit des Rates - der Beschluss wurde bei einer Neinstimme und drei Enthaltungen gefasst -fühlte sich an den Eingemeindungsvertrag gebunden, in dem der Erhalt zugesichert worden war. Weil allen klar ist, dass das Aus für die Schule irgendwann kommt, machte bei vielen auch das Wort „Nachnutzung“ die Runde. Ideen dafür gebe es, doch jetzt solle zunächst um die Schule gekämpft werden. Um das Ganze zu bekräftigen, stellte der Mehringer Stadtrat Holger Herrmann zusätzliches Geld aus dem „Sparstrumpf“ der ehemals selbstständigen Gemeinde für die Turnhalle in Aussicht.
Recht wenig Diskussionen gab es um die noch ausstehende Fertigstellung der Turnhalle für die Grundschule Staßfurter Höhe. Oberbürgermeister Andreas Michelmann hätte das Gebäude am liebsten abgerissen. Dagegen allerdings hat der Denkmalschutz sein Veto eingelegt. Auch die Mehrheit der Stadträte hatte vor einigen Jahren dagegen gestimmt. Doch ohne Fördermittel wäre es auf absehbare Zeit nicht gelungen, die Maßnahmen abzuschließen.
Ärger hatte es um den geplanten Speiseraum an der Luisenschule gegeben. Die Stadt plant, die Mittagsversorgung aus dem maroden ehemaligen Hortgebäude herauszunehmen und im Souterrain des Schulgebäudes unterzubringen (die MZ berichtete). Elternrat und Schulleitung halten den Platz für ungeeignet, da sich die Toiletten in der Nähe befinden und außerdem zwei Räume verloren gehen, die derzeit für Lerngruppenarbeit genutzt werden. 160 Eltern hatten einen offenen Brief unterschrieben, der während der Stadtratssitzung an den Oberbürgermeister übergeben wurde.
Am Ende der Abstimmung wirken der Schulelternratsvorsitzende Denis Horn und seine Stellvertreterin, Ivonne Kilian, nicht unzufrieden. „Wir hätten uns zwar was anderes gewünscht“, sagt Horn, „aber wir freuen uns ja auch darüber, wenn es Geld gibt für unsere Schule.“ Was sie kritisieren, ist die aus ihrer Sicht mangelhafte Kommunikation zwischen Stadt und Betroffenen. Stadträtin Christine Klimt kann den Beschwerdeführern einen Vorwurf nicht ersparen: „Es war bekannt, dass das Thema diskutiert wird, und die Ausschuss-Sitzungen sind öffentlich“, sagte sie. OB Andreas Michelmann versteht, dass die Schule nur ungern auf die beiden Unterrichtsräume verzichtet. Andererseits hält er es für zumutbar, Räume im benachbarten Hortgebäude zu nutzen, zumal die Fläche dort fast doppelt so groß ist wie vorher. „Wir werden nicht mehr allen Wünschen entsprechen können“, macht er klar und verweist auf die Haushaltssituation.
Mitteldeutsche Zeitung vom 21.03.2013 20:49 Uhr von Kerstin Beier