Sanierung in Mehringen - Hilferuf der Kirche

Sanierung in Mehringen - Hilferuf der Kirche

Im vergangenen Jahr wurde das Dach der Mehringer Kirche saniert. Nun soll auch die Uhr wieder laufen.
Kirche in Mehringen

(BILD: Gehrmann)

Nach einer aufwendigen Dachreparatur an der Mehringer Kirche fehlt nun das Geld für die Turmuhr, die aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Die Zeiger der großen Uhr an dem Kirchturm stehen auf kurz vor halb eins. Und das schon seit etwa drei Jahren. Ein Anblick, den nicht nur die Mehringer bedauern, sondern auch Pfarrer Mathias Kipp vom Evangelischen Pfarramt Sandersleben und damit für die St.-Stephani-Kirche in Mehringen zuständig.

Spenden gesucht

„Wir würden die Uhr gern reparieren lassen. Allerdings können wir die Kosten dafür nicht aufbringen. Die Reparatur kostet 5 000 Euro“, erklärt er. Dieses Geld könne nur durch Spenden zusammengetragen werden. Ein Anfang sei bereits getan und die ersten 800 Euro stehen auf einem Konto bereit. „Die Mehringer Bevölkerung nimmt immer großen Anteil an ihrer Kirche und unterstützt uns. Wir hoffen auch dieses Mal darauf“, so der Pfarrer.

Altes Bauwerk

1225 wurde die St.-Stephanus-Kirche, die heute in ihren ältesten Bestandteilen erhalten ist und auf einem kleinen Hügel in Mehringen steht, das erste Mal erwähnt. Im Jahr 1881 habe man sich dann entschlossen, den Kirchturm neu zu bauen. So wurde der alte abgerissen und der neue, 35,6 Meter hohe Turm mit Turmuhr im Stil der Neugotik erbaut. Die Uhr stamme aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Bis vor 30 Jahren musste sie sogar noch regelmäßig aufgezogen werden. Mit der Umstellung des Läutewerks der Glocken habe man das bereits geändert. Doch nun ist die Uhr vor etwa drei Jahren stehen geblieben.
Spender für die Uhr gesucht!

Spender für die Uhr gesucht!  (BILD: Gehrmann) Uhr Mehringer Kirche

Teure Sanierung

„Wir haben an der Kirche bereits verschiedene Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Im vergangenen Jahr wurde das Dach aufwendig repariert“, erklärt Pfarrer Kipp. Denn darunter drohte der Schwamm in das Kirchenhaus einzuziehen. Insgesamt kostete diese Maßnahme 33 000 Euro. Zwar sei ein Teil davon aus Fördermitteln gekommen, doch der Rest von 20 500 Euro musste aus Kirchenmitteln genommen werden. „Damit haben wir unser ganzes Geld aufgebraucht. Außerdem mussten wir noch einen Kredit aufnehmen. Den zahlen wir noch jahrelang ab“, erklärt der Pfarrer.
Geschichte

Die Mehringer St.-Stephanus Kirche wurde 1225 erstmals urkundlich wähnt. Sie steht auf einer kleinen Anhöhe und diente einerseits zum Verteidigungszweck und andererseits als Mittelpunkt weltlicher Versammlungen. Die Steine für den Bau stammen aus dem Steinbruch am Westerberg. Das romanische Schiff besitzt das größte Raumvolumen und war der gottesdienstliche Feierraum des Volkes. Die Rundbogenfenster waren unmittelbar unter der Decke angebracht und erhellten deshalb nur geringe Anteile der Kirche. Im Inneren der Kirche findet man zahlreiche Wandmalereien, Kanzeln, Emporen und Taufsteine.
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Geld ist bereits auch in die Sanierung des Glockengeläuts geflossen. Die Dorfkirche besaß ganz früher übrigens Bronzeglocken, doch diese wurden für Rüstungszwecke zerschlagen und abtransportiert. Das Geläut ist im selben Turm wie die Uhr angebracht. Das ging 2004 ebenfalls kaputt.

Turmbewegungen

Als dann das Läutewerk repariert wurde, fing der Turm an zu schwingen. Ganze zehn Zentimeter hätte er sich bewegt. Dass allerdings die Ursache dafür die Glocken waren, die man absolut hat parallel laufen lassen, habe man erst nach geraumer Zeit und auch nach einer Ausgabe von 1 000 Euro feststellen können. „Durch einen ganz großen Zufall haben die Glocken die gleichen Schwingungen gemacht. Das ist absolut selten. Nur ein kleines Rädchen musste dann bewegt werden, und die Turmbewegungen hörten auf“, blickt Pfarrer Kipp kurz zurück.

Mehrfach haben sich Hobbyuhrmacher bereits am Uhrwerk versucht. Doch nun möchte man Nägel mit Köpfen machen und gleich ein digitales Uhrwerk einbauen lassen, so dass die Mehringer an der Turmuhr, die übrigens von drei Seiten an dem Kirchturm zu sehen ist, lange ihre Freude haben. Außen dagegen wird man keine Veränderung sehen.

Ist das Uhrwerk aber repariert, dann wird es auch zu hören sein. Denn immerhin soll es unterschiedliche Anschläge zur vollen, halben und viertel Stunde geben. Parallel können dann, wenn es nötig wird, auch die Glocken geläutet werden.

„Doch bis dahin werden wir uns wohl noch lange gedulden müssen“, ist sich Pfarrer Kipp sicher. Es sei denn, es findet sich doch in absehbarer Zeit ein finanzkräftiger Sponsor, der die Zeiger nicht nur laufen sehen, sondern auch den Klang der Uhr wieder hören möchte. (mz)


Mitteldeutsche Zeitung von Marion Pocklitz vom 22.01.2015

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