Regen verschiebt Ernte nach hinten
Verluste durch Unwetter bisher nicht zu beklagen - Preise für Raps und Getreide im Keller
In dieser Woche hat Michael Schneidewind mit der Weizenernte begonnen. (FOTO: FRANK GEHRMANN)
MEHRINGEN/MZ. Der Regen der vergangenen Tage störte nicht nur die Schulkinder, die ihre letzten Ferientage noch draußen genießen wollen. Auch den Landwirten machte er einen Strich durch die Erntepläne. "Letztes Jahr um diese Zeit waren wir mit dem Raps schon fast fertig", schätzt Landwirt Michael Schneidewind aus Mehringen die Lage ein. In diesem Sommer konnte er von etwa 57 Hektar Raps erst 17 vom Feld holen. Doch dramatisch ist es noch nicht.
"Aufgrund des Wetters ist die Ernte dieses Jahr insgesamt später", so Schneidewind, "aber wenn es jetzt stabil bleibt, ist es nicht dramatisch." Zum 20. August ist die Raps-Aussaat geplant. Sind die Felder bis dahin nicht abgeerntet, wird es zum Problem. Doch in einer oder zwei Wochen mit Sonnenschein könne der Landwirt schon das meiste vom Feld holen. Im Einsatz sind ein Drescher, zwei Schlepper und insgesamt acht Hänger. Ein Arbeitstag beginnt dann für ihn, einen fest angestellten Mitarbeiter und eine Saisonkraft morgens um acht Uhr und endet gegen Mitternacht, wenn der Tau nicht früher kommt.
Schneidewind hat im vergangenen Jahr den Betrieb von seinem Vater übernommen. Zentral um Mehringen bewirtschaftet der 34-Jährige 382 Hektar. Neben Raps sind auch 220 Hektar Weizen, 37 Hektar Zuckerrüben, 33 Hektar Erbsen und 35 Hektar Hartweizen dabei. Mit Verlusten durch den starken Regen rechnet Schneidewind momentan nicht. "Hagel gab es Gott sei Dank nicht", ergänzt er.
Doch die Qualität leidet unter dem Regen, was unter anderem Schimmelpilze am Weizen zeigen. Würde das Wetter weiterhin wechselhaft und feucht bleiben, so wäre das für die Landwirtschaft ein Problem. Für Schneidewind, der über keine eigene Trocknung verfügt, würde das zusätzliche Kosten bedeuten und er wäre auf die Kulanz der aufkaufenden Hand angewiesen.
Das schlechte Wetter und das Geld belasten die Landwirte. Ist die Ernte an sich auch zufriedenstellend, so ist es der Markt nicht. "Die Preise sind sehr schlecht", sagt Schneidewind und belegt seine Aussage mit Vergleichswerten: Für eine Tonne Raps habe er im vergangenen Jahr noch 395 bis 440 Euro bekommen. In diesem Jahr rechnet er mit 240 bis 300 Euro, schlimmstenfalls also etwa die Hälfte. Ähnlich ist es beim Weizen: Im letzten Jahr erhielt Schneidewind 180 bis 200 Euro pro Tonne. Maximal 130 Euro seien in diesem Jahr drin, wenn die Qualität stimme. Das Überangebot und die Wirtschaftskrise bedingen diesen Preisverfall.
Doch vor dem Verkauf - hauptsächlich an den Hauptabnehmer, die Mühle in Alsleben - steht die Ernte. In diesen Tagen probiert Schneidewind, ob Raps und Weizen trocken genug sind. Ein Mähdrescher wird für die Ernte noch umgebaut.
Die Zuckerrüben, die erst Ende September vom Feld müssen, machen derzeit optisch einen guten Eindruck. "Das passt schon", sagt der Mehringer Landwirt Michael Schneidewind. Jetzt muss nur das Wetter passen.
Mitteldeutsche Zeitung VON SOFIE ANTON, 28.07.09