Quellwasser kraucht die Wände hoch
Karl-Heiz Reckmann aus Mehringen wirft täglich seine Pumpe im Keller an, damit die Räume nicht unter Wasser stehen. (Foto: Susanne Thon)
MEHRINGEN/MZ. 21 Grad Celsius mit einem Sonne-Wolken-Mix. Die mittwöchliche Wettervorhersage für den Ort Mehringen dürfte für die meisten heitere Sommergefühle auslösen. Für die Bewohner der Drohndorfer Straße ist das sonnige Wetter kein Trost. Sie plagen sich noch immer mit den Folgen des schneereichen Winters herum. Keller und Gärten stehen seit knapp zwei Monaten ununterbrochen unter Wasser.
"Das Schlimme ist, der Pegel geht nicht zurück, obwohl die Wipper kein Hochwasser mehr hat", erzählt der Betroffene Karl-Heiz Reckmann, der sich zugleich um die Substanz seines Hauses sorgt: "Die Nässe krabbelt weiter die Wand hoch." Gleiches berichtet sein Nachbar Winfried Hartmann. Er pumpt täglich zwölf Stunden das Wasser aus seinem Keller.
"Das Grundwasser ist wahnsinnig gestiegen, in 20 Jahren um sechs Meter", hat Eike Schmidt auf seinem Grundstück gemessen. Er ist Eigentümer des Neubaus in der Drohndorfer Straße, in dem die zwölf Familien ihre Kellerräume nur noch mit Gummistiefeln betreten können. "Es muss was passieren, sonst können wir die Keller zuschippen", meint Schmidt.
Bei Frank Arpke, Schmidts Nachbar auf der gegenüberliegenden Straßenseite, ist die Brühe bei dem letzten Starkregen sogar in die Werkstatt gelaufen. "Zehn Eimer voll Wasser habe ich rausgeholt. Es läuft nicht ab", weiß sich auch Arpke keinen Rat mehr.
Die Ursache für den Wasserpegel vermutet Nachbar Karl-Heinz Reckmann in der nach über 30 Jahren wieder aktiv gewordenen Quelle auf dem nah gelegenen Berg hinter dem Ort. "Ich glaube, das Wasser läuft im Graben durch das Unkraut gar nicht richtig ab. Es verteilt sich auf die Grundstücke", glaubt Reckmann. Die sanierte Straße, die zudem alles verdichte, tue ihr Übriges. "Wir wollen jetzt wissen, was der Grund für das Wasser ist, damit man es abstellen kann", fordert Winfried Hartmann im Namen aller Bewohner der Drohndorfer Straße. Ihr Anliegen brachten sie bei der jüngsten Ortschaftsratssitzung vor. Und Ortsbürgermeister Albrecht Schneidewind reagierte prompt und lud am Dienstag Vertreter der Stadt Aschersleben und des Landkreises zum Vor-Ort-Termin ein.
Das Fazit: Es muss etwas an den Entwässerungsgräben gemacht werden. "Es läuft zwar Wasser durch den Graben, in der Wipper kommt es aber nicht an", sagt Schneidewind. Spätestens Anfang nächster Woche - so hofft der Ortsbürgermeister - soll sich der Unterhaltungsverband in Zusammenarbeit mit dem Bauamt der Stadt Aschersleben des Problems annehmen. "Das Problem muss zeitnah behoben werden", da ist sich Schneidewind mit den Betroffenen einig.
Mitteldeutsche Zeitung, von Katharina Thormann, 15.06.2010