Mehringer Kindern ist das Lachen vergangen

Mehringer Kindern ist das Lachen vergangen

Kinder der Villa KunterbuntAus der Not machen die Kinder eine Tugend. Sie wollen der Polizei bei den Ermittlungen helfen. (FOTO: FRANK GEHRMANN)

MEHRINGEN/MZ. Die Stimmung in der "Villa Kunterbunt" ist gedrückt. "So was darf man nicht machen", sagt Lara. "Ich bin traurig", gibt Leonie zu. Und ein Kind nach dem anderen pflichtet ihnen bei. Man schaut in betroffene Gesichter. Jegliche Unbeschwertheit verfliegt, kommt der Einbruch zur Sprache. Bereits am ersten Märzwochenende sind Unbekannte durch ein Fenster gewaltsam in die Mehringer Kindertagesstätte eingedrungen. Technik, Bargeld und Sportgeräte wurden entwendet. Die Polizei tappt bei ihren Ermittlungen noch im Dunkeln. Ein erster Zeugenaufruf erzielte nicht den gewünschten Erfolg. Vom zweiten erhoffen sich die Beamten mehr und auch von der Auswertung der Spuren, die andauert. Auf mehrere tausend Euro - Reparaturen mit eingerechnet - beläuft sich der Schaden, so Ilona Trimpert.



Der Leiterin der "Villa Kunterbunt" fällt es schwer, die Tränen zu unterdrücken, lässt sie die Ereignisse Revue passieren. Sie war es, die den Einbruch am 6. März feststellte. "Ich bin ausnahmsweise schon am Sonntag hergekommen, um das Geburtstagsfrühstück für meine Kollegen vorzubereiten", sagt sie. Und zuerst schien auch alles wie immer. Gut, die Jalousien im Gruppenraum, die im Normalfall oben bleiben, damit sie im Falle eines Unwetters nicht aus der Verankerung gerissen werden, waren geschlossen, "aber da habe ich mir noch nichts gedacht". Einzelne Kleidungsstücke auf dem Boden im Flur ließen sie zwar stutzig werden, aber erst beim Toastbrot und der aufgetauten Salami, die sie auf einem Regal entdeckte, fiel der Groschen: "Hier war wer drin", schoss es Trimpert urplötzlich durch den Kopf. Wieder, denn schon zwei Mal wurde in der Vergangenheit in die Einrichtung eingebrochen, zuletzt 2010.

Und ihr Verdacht sollte sich mit jedem weiteren Schritt bestätigen: Die Türen im Büro waren an den Scharnieren ausgehebelt. Alle Schränke standen offen, die Schreibtische - auch die in den Gruppenräumen - waren verwüstet, der Schlüsselschrank aufgebrochen. Laptop, Digitalkamera, Milchgeld, Generalschlüssel - alles weg. In der Turnhalle setzten die Langfinger ihren Beutezug fort. Bälle und Stoppuhren fehlen. Und mehr noch: "Die Diebe haben es sich hier richtig gemütlich gemacht und Würstchen gekocht." Trimpert traute ihren Augen nicht beim Anblick der unabgeräumten "Tafel" im Waschraum.

Längst hatte sie die Polizei verständigt - "ich habe mich ja überhaupt nicht getraut, hier irgendetwas anzufassen". Dann informierte sie auch noch die Kollegen, "bis 21 Uhr haben wir das Gröbste weggeräumt, damit die Kinder keinen Schock kriegen". Und doch war das Entsetzen groß, die Mädchen und Jungen aufgewühlt, als sie vom Einbruch erfuhren. Trimpert tut der Gedanke weh. Manch Schützling habe gar unter Schlafstörungen gelitten. Und nichts, sagt sie, wollten die Kinder unversucht lassen, die Bösewichte zu schnappen: "Sie sind mit Lupen umhergelaufen und haben Spuren gesucht." Mit Bällen konnten sie ja nicht mehr spielen ...

Mitteldeutsche Zeitung VON SUSANNE THON, 31.03.11

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