Maniküre fürs Pferd

Maniküre fürs Pferd

Das Eisen glühtDas Eisen glüht schon. (FOTO: FRANK GEHRMANN)

MEHRINGEN/MZ. Wie man ein Hufeisen richtig aufhängt? Erik Meier zuckt mit den Schultern. "Die einen sagen, die Öffnung gehört nach oben, damit das Glück reinfallen kann." Andere behaupten das Gegenteil. Auf seinem Auto zeigt die offene Seite jedenfalls nach unten, damit nichts Schlechtes darnieder prasselt und das Gute auslaufen und sich verbreiten kann. Der Aberglaube erlaubt beides, sagt er. Und das lässt einen Schluss zu: Ein Hufeisen hängt immer richtig.

Erik Meier mit Pferd JanaErik Meier beschlägt Jana. (FOTO: MZ)

Wenn Hufeisen tatsächlich Glück bringen, dann müsste Meier reichlich davon haben. Denn der Mehringer ist Hufschmied. Von Mandy Dockhorn lässt er sich gerade Jana vorführen, mit der sie Wettkämpfe im Springreiten bestreitet. Acht Wochen sind um. Ihr Reitpony, liebevoll Pippi genannt und weniger Pferd denn Familienmitglied, kriegt vorn einen neuen Beschlag, einen Spezialbeschlag. Mit Einlage. "Aus orthopädischen Gründen", erklärt Meier, "denn der Knochen ist angegangen." Hufkrankheiten sind gar nicht mal so selten, sagt er. "Der Huf leidet darunter, dass viel Vollblut eingekreuzt wird." Die alten Eisen - geschlossen mit Steg - hat der Hufschmied bereits entfernt. Jana, 20 Jahre, ist die Ruhe selbst. Auch als er ihr die Hufe ausschneidet und sie mit einer Raspel in Form bringt. "Das ist so ähnlich wie bei uns mit den Fingernägeln. Der Pferdehuf wächst etwa einen Zentimeter im Monat", erklärt Meier, greift sich ein Stück von der blauen Masse, "die der Zahnarzt für Abdrücke nimmt", und formt ein Polster. Das kommt zwischen Huf, Einlage und dem Eisen der Größe 2, einem verhältnismäßig kleinen. Apropos Eisen: Das glüht schon. Meier holt den Rohling - wenn er bestellt, hat er die Wahl zwischen mehr als tausend Rohteilen - aus dem transportablen Schmiedeofen und drückt es Jana auf den Huf, um selbigen zu versiegeln und letzte Unebenheiten zu glätten. Es zischt, es dampft, es stinkt. Dann löst er das Eisen wieder, legt es auf den Amboss und greift zum Hammer. Mit klirrenden Schlägen arbeitet er am perfekten Sitz und schlägt es schließlich auf. Zur Hand geht ihm Vater Siegfried, eigentlich Dreher. Und wieder muss Jana "schaulaufen". Zur Kontrolle.

Aber was hat es nun mit dem Glück auf sich? Haben Hufschmiede Dusel ohne Ende? Das vielleicht nicht, aber Meier, der "nur" nebenbei Hufschmied ist und von "Montag bis Donnerstag im Stahlbau arbeitet", ist glücklich, wie er versichert. Worin für ihn das Glück besteht? Eine Familie zu haben und eine Arbeit, die Spaß macht. Dass er das Handwerk von seinem Opa Paul Striegnitz gelernt hat, der seit 75 Jahren Schmied ist. Genau: "ist". Denn noch heute - mit 89 - kann er es nicht lassen, hilft hin und wieder aus. Das passt zu einem Spruch, den Meier von einem seiner Kunden hat: Was immer auch werde, bleib treu dem Pferde. Deshalb würde er es auch am liebsten sehen, wenn Tochter Luisa, sie ist neun, "pferdemäßig in meine Fußstapfen tritt, wenn auch nicht als Hufschmied."

Mitteldeutsche Zeitung VON SUSANNE THON, 01.01.13, 18:37h

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