Langohren-Parade in der Schützenhalle

Für Eva und Egon Ryberg ist die Kaninchenzucht eine Leidenschaft. (BILD: Frank Gehrmann)
Mehr als 200 Rassekaninchen sind am Wochenende auf der Kreisverbandsschau ausgestellt worden. Das Ehepaar Ryberg, das für ihre Tiere ausgezeichnet wurde, feiert mit dem Verein in diesen Tagen auch das private Glück.
Auch wenn der Rassekaninchenzuchtverein Drohndorf der stärkste Verein im Altkreis Aschersleben ist, hat er mit Mitgliederschwund und Überalterung zu kämpfen. Das merkte man den Zuchtfreunden am Wochenende aber nicht an. Stolz präsentierten die Tierfreunde ihre Prachtexemplare den Preisrichtern auf der Kreisverbandsschau in der Schützenhalle in Mehringen. Insgesamt konnten 251 Rassekaninchen von 44 Züchtern in 60 Zuchtgruppen gezeigt werden. Von Weißen Riesen mit fast 20 Zentimeter langen Ohren bis hin zu kleinen hotofarbigen Farbzwergen waren eine Menge Langohren vertreten.
Deutscher Meister im Verein
Vereinsvorsitzender Götz Rümke ist über die Gäste und den Besuch einiger Kommunalpolitiker erfreut: „Das zeigt mir, dass unser Hobby einen gewissen Stellenwert hat. Vielleicht kommen nach so einer Schau auch neue junge Mitglieder hinzu.“ Rümke schätzt, dass es in Sachsen-Anhalt insgesamt 2000 Kaninchenzüchter gibt. Deutschlandweit sind 149 000 Kaninchenzüchter in rund 6 800 Vereinen organisiert.
Der Drohndorfer Zuchtverein zählt 17 Hobby-Züchter aus der Umgebung. Einer von ihnen ist Heiko Dademasch. Er ist mit 30 Jahren das jüngste Mitglied und in diesem Jahr sogar Deutscher Meister geworden. Bei der Kreisverbandschau ist er mit einem Farbenzwerg Kreismeister geworden. Dank Gastvereinen aus Alsleben, Gerbstedt, Siersleben und Welbsleben konnte eine Vielzahl an Tieren auf der Schau gezeigt werden. Kurzhaarrassen, Zwergkaninchen, kleine und große Tiere wurden in der Schützenhalle ausgestellt und ausgezeichnet. Vier Preisrichter vergaben insgesamt 14 Mal die Note „vorzüglich“ und 36 Mal die Note „hervorragend“. „Hier ist kein Tier aus dem Zufall heraus geboren“, erklärt der Vorsitzende. „Wald- und Wiesenkreuzungen gibt es hier nicht, wir zeigen nur reine Kreuzungen.“
"Die tollste Rasse"
Seit 1971 züchtet er selbst die flauschigen Tiere. Nicht nur, weil die Zucht so viel Freude bereite, sondern auch wegen des geselligen Vereinslebens. Die Zeit der Sommergrillabende ist zwar vorbei, aber im Kopf ist die Weihnachtsfeier schon fast bis ins Detail geplant. Vorher wird aber goldene Hochzeit gefeiert, denn die Vereinsmitglieder Eva und Egon Ryberg laden ein. Seit Jahren ist das Ehepaar aus Winningen im Verein. 1989 hat es angefangen mit schwarzen Wienern. „Das ist einfach die tollste Rasse“, schwärmt Eva Ryberg, die zusammen mit ihrem Mann als Zuchtgemeinschaft ausgezeichnet wurde. Ihr Herz hänge an den Tieren. Zu Hause haben sie 22 Käfige, die immer voll sind. „Wir haben eine vergleichsweise kleine Zucht“, sagt sie. Wie viele Tiere genau das Paar schon gezüchtet hat, ist schwer zu sagen. „Hunderte von Tieren sind es auf jeden Fall“, so Egon Ryberg, der das Kuscheln und Schmusen mit den Kaninchen seiner Frau überlässt. Damit das schwarze Fell glänzt und weich ist, füttert das Ehepaar neben Möhren und Pellets auch Sonnenblumenkerne, Mais, Hafer und ein paar Kräuter.
Vereinsmitglieder sind auch Freunde
Auf Schauen wie an diesem Wochenende verkaufen sie dann Tiere weiter. Da wird aber auch genau geschaut, an wen das Kaninchen geht: „Für die Pfanne sind unsere Wiener zu schade“, so der Züchter. Wenn die beiden in diesen Tagen den erwähnten 50. Hochzeitstag feiern, ist natürlich ist der ganze Verein dazu eingeladen. Denn die Mitglieder pflegen seit Jahren Freundschaften untereinander. „Der Verein gehört einfach zu unserem Leben dazu“, sagt Eva Ryberg. (mz)
Mitteldeutsche Zeitung vom 26.10.2014 von Anne Schneemelcher