Jugend kämpft um Club

Die Mehringer Jugend braucht eine Bleibe. (FOTO: PRIVAT)
MEHRINGEN/MZ. Was den Jugendlichen in Mehringen fehlt? Ein Dach über dem Kopf. "Von heute auf morgen wurde unser Jugendclub geschlossen", sagt Lucas Fischer. Aus denselben Gründen, aus denen auch der Unterrichtsbetrieb der benachbarten Grundschule nach Aschersleben verlagert werden musste: Wassereinbruch. 2011 war das. Getan hat sich seitdem in Sachen Jugendclub nichts. Nur der Unmut unter den Jugendlichen ist gewachsen. "Wir wollen uns irgendwo treffen können", erklären der 16-Jährige und sein Kumpel Pierre Mattern. Momentan sei das nur draußen oder bei jemandem zu Hause möglich. "Für Neue ist die Kontaktaufnahme schwer", haben sie doch keinen Anlaufpunkt.
Wenn's nur eine Garage wäre oder eine Gartenlaube... Doch alle Bemühungen, einen passenden Raum zu finden, seien gescheitert. Deshalb und weil es immer noch keine Reaktion seitens der Stadt gegeben habe, geht die Clique jetzt in die Offensive. Gut zwei Monate ist die letzte Ortschaftsratssitzung, in der das Thema mit Verweis auf Dringlichkeit angesprochen wurde, immerhin her: Um der Forderung nach einem Club Nachdruck zu verleihen, haben die Jugendlichen im Ort Geld gesammelt, ein Plakat gemalt und T-Shirts drucken lassen. "Wir Mehringer wollen unseren Jugendclub zurück", steht darauf geschrieben, gefolgt von einem eindringlichen "Bitte". Die neue Bleibe einzurichten und den Betrieb zu managen - das trauen sich die Jugendlichen sogar selbst zu. Mit dem Elternratsvorsitzenden Ralf Meyer, der sie in ihrem Vorhaben unterstützt, haben sie ein entsprechendes Konzept erarbeitet.
Nur eins muss im Kampf um den Jugendclub wohl in Vergessenheit geraten sein: die Verantwortlichen der Stadtverwaltung zu kontaktieren. "Es war keiner hier. Es hat kein Gespräch stattgefunden. Wir würden sie ja unterstützen, brauchen aber ein konkretes Signal", reagierte Anke Marks, Ascherslebens Pressesprecherin, einigermaßen überrascht. "Wir haben nach der Schließung des Jugendclubs vor zwei Jahren nicht gleich nach einer Alternative gesucht", räumt sie ein. Die Stadtverwaltung sei zunächst davon ausgegangen, dass der Zustand nur vorübergehend ist. Vom "intensiven Wunsch" der Mehringer Jugend nach einem Jugendclub habe man nichts gewusst, bis vor einigen Tagen, Schneidewind - er steht hinter den Jugendlichen - Uwe Rothe vom Amt für Soziales, Jugend und Vereinsförderung kontaktierte. Und damit scheint dann auch Abhilfe in Aussicht: "Wir finden auf jeden Fall eine Lösung", versichert die Stadtsprecherin.
Mitteldeutsche Zeitung VON SUSANNE THON, 21.01.13, 18:43h