In der Dunkelheit unterwegs zu den Stacheltiergesellen

Verena Milius bei der Vorbereitung der Futterstelle. (FOTO: F. GEHRMANN)
MEHRINGEN/MZ. Seit ihrer Kindheit ist die heute 67-jährige Verena Milius aus dem Ortsteil Mehringen der Stadt Aschersleben in Tiere und Blumen verliebt. "Außer den Elstern und gefräßigen Schnecken sind in meinem Garten alle Tiere willkommen. Auch Spatzen sind Vögel und haben Hunger wie du und ich", so ihre Tierphilosophie.
Im Juni vergangenen Jahres hat sie in ihrem Garten eine Igelfamilie entdeckt und die stachligen Gesellen gleich ins Herz geschlossen. Schnell hat sich die Tierliebhaberin schlau gemacht, was Igel gerne fressen und dass Milch für sie Gift ist. Unmittelbar in Nähe der Terrasse hat sie einen Futterplatz angelegt und nur wenige Igelschritte entfernt eine Tränke. "Den Futterplatz habe ich so angelegt, dass ich von der Terrasse aus die Tiere beobachten konnte", klärt Verena Milius auf. Ihr Plan geht auf. Bei Einbruch der Dunkelheit lauscht sie in die Finsternis. Meist muss sie nicht lange auf die Familie warten. Sie kommen aber zu unterschiedlichen Zeiten an den Futterplatz. Das kann aber die Tierliebhaberin nicht davon abhalten, geduldig zu warten. "Igel können beim Fressen so herrlich laut schmatzen, dass das nicht zu überhören ist", hat sie immer wieder beobachten können.
Wenn sich die Tierliebhaberin zum Futterplatz pirscht, wird das Abendessen erst einmal unterbrochen. Stellen sie fest, es besteht keine Gefahr, fressen sie genüsslich weiter. "So schnell, wie die Igel gekommen sind, sind sie auch wieder verschwunden", sagt Verena Milius. Trotz intensiver Suche habe sie bisher nicht feststellen können, wo sich die Tiere am Tage aufhalten. Ein Rätsel bleibt für sie auch, wo die Tiere überwintern. Im vergangenen Herbst habe sich die Familie auch mit ihrem Nachwuchs gezeigt.
Zweimal schon hat Verena Milius im Scheinwerferlicht ihres Pkw in Mehringen Igel auf der Straße umherirren sehen. Natürlich wurde angehalten und die Tiere von der Straße geholt.
Wenn sich die Igel zur Ruhe gebettet haben, die Zugvögel längst über alle Berge sind und der Schnee Felder und Gärten überzieht, dann beginnt für die heimischen Vögel eine schwere Zeit. Aber nicht so im Garten von Verena Milius. Sie hat vorgesorgt, verschiedenes Futter besorgt und eine Futterstelle vorbereitet.
Da lassen sich die hungrigen Schnäbel nicht lange bitten. "Andere rauchen. Ich gebe mein Geld lieber für diesen guten Zweck aus", erklärt Verena Milius. Zu einer Tierliebhaberin gehört natürlich auch eine eigene Katze. Das Kätzchen verfolgt ihr Frauchen auf Schritt und Tritt, ob im Haus oder Garten. Selbst, wenn Frauchen am Computer spielt, räkelt sich die Katze neben ihr auf dem Schreibtisch.
Mitteldeutsche Zeitung VON HAJO MANN, 25.06.10