Eine Pyramide, dem Schlamm entrissen

Über 100 Stunden Arbeit stecken in der Weihnachtspyramide. (FOTO: GEHRMANN)
Mehringen/MZ. Über zwei Meter groß, vieretagig, in weiß gehalten, goldfarbig abgesetzt und gekrönt mit einem Flügelrad von 1,90 Meter Durchmesser - auf dem diesjährigen Weihnachtsmarkt in Mehringen erlebte eine mannshohe Weihnachtspyramide ihre Premiere, deren Entstehungsgeschichte dramatische Züge hatte.
Am Anfang stand der Weihnachtsmarkt 2010, auf dem neben den obligatorischen Ständen mit allerlei Leckereien den Besuchern auch immer ein wenig Kultur geboten wird. Und so gab eine Blechblasinstrumenten-Gruppe ihre Darbietungen zum besten. Doch auf Bernd Opel, der mit den Mitstreitern vom Kegelverein wenige Meter entfernt ein Stand bewirtschaftete, wirkte der Anblick eher trostlos. "Irgendwie fehlte da etwas. Der Auftritt der Bläser war nicht würdevoll umrahmt", erinnert sich der Mehringer. Noch Tage nach Ende des Marktes ließ ihn dieser Eindruck nicht zur Ruhe kommen. Seine Gedanken drehten sich darum, wie er diese Situation verändern könnte. Letztendlich reifte die Idee, eine Pyramide zu bauen. Und während einer Pause einer Nachtschicht wurden an der Werkbank die Schnitte beiseitegelegt und eine erste Skizze angefertigt.
Und der passionierte Hobby-Bastler konnte die Zeit kaum abwarten, bis endlich die Sonnenstrahlen die Temperaturen im Frühling anwachsen ließen, um in seiner Werkstatt "zuschlagen" zu können. Über 100 Stunden brachte Bernd Opel damit zu, die Pyramide zu bauen. Und er wollte, dass auf dieser auch das gesellschaftliche Leben in Mehringen eine Rolle spielt.
In die oberste Etage kam entsprechend des Anlasses das Krippenspiel mit der Geburt Jesus Christus und den Heiligen Drei Königen. Eine Etage tiefer fand der Mehringer Weihnachtsmarkt mit den Buden, einer vom Weihnachtsmann chauffierten Kutsche und beleuchteten Häusern ihren Platz. Wieder eine Etage tiefer werden Szenen aus dem Erntedankfest wiedergegeben, während in der untersten Etage das heimatliche Schützenfest dargestellt ist. Mit Unterstützung anderer wurden dann auch die elektrische Beleuchtung und der Antrieb schnell Realität.
Doch dann kam der Tag der Katastrophe. Während die Opels am 11. September sich gerade auf der Autobahn befanden, erreichte sie die Nachricht, dass eine riesige Schlammlawine sich über ihr Haus und das Grundstück ergossen hatte. Doch Bernd Opel dachte nicht zuerst daran, dass die Helfer eventuell Fernseher oder Bekleidung in Sicherheit bringen. "Rettet die Teile der Pyramide", hatte der Mehringer sich am Telefon gewünscht. Was die Helfer auch taten. "Die Pyramide hatte für mich einen hohen ideellen Wert", erklärt Bernd Opel, warum er so reagierte. So standen einige Teile tief im Schlamm und mussten gereinigt werden. "Aber die Schäden waren nicht so groß und konnten schnell beseitigt werden", so der Hobby-Bastler. So blieb die Vorfreude, da Bernd Opel seine Pyramide geheim hielt und nur wenige eingeweiht waren, sein Werk zum diesjährigen Weihnachtsmarkt aufzubauen und die Hoffnung, dass die Mehringer und ihre Gäste daran Gefallen finden. Und die Resonanz war durchweg positiv. "Die Mehringer konnten mit den Darstellungen etwas anfangen und sich mit der Pyramide identifizieren", freut sich Bernd Opel über das Lob, mit welchem er von allen Seiten überschüttet wurde. Die Pyramide will er jetzt jedes Jahr für den Markt zur Verfügung stellen.
Mitteldeutsche Zeitung VON Detlef Valtink, 13.12.11