Eheleute Schewe aus Mehringen feiern diamantene Hochzeit
Ein Stadtmädchen wird sein Sechser
Ulrich Reder beglückwünscht Heinz und Marianne Schewe. (FOTO: MZ)
MEHRINGEN/MZ. "Schreiben Sie bloß nichts von Liebe auf den ersten Blick." Heinz Schewe lacht verschmitzt. Als junger Bursche habe man ja schließlich nicht nur auf eine Frau ein Auge geworfen, erzählt der heute 89-Jährige. Eine Frau war es dann aber, die alle anderen in den Schatten stellte, die das Herz des Mehringers eroberte, ihm den Kopf verdrehte und nicht mehr aus selbigem ging: Großstädterin Marianne. Mit der Leipzigerin wollte er alt werden und mit ihr ist er alt geworden. In Mehringen, in seinem Eltern- und Geburtshaus.
Am Montag standen die Gratulanten dort Schlange - darunter die Mädchen und Jungen aus der Mehringer Kindertagesstätte "Villa Kunterbunt", Rüdiger Schulz als Vertreter der Stadt Aschersleben und der stellvertretende Landrat des Salzlandkreises, Ulrich Reder. Sie alle kamen, um Heinz und Marianne Schewe zu einem ganz besonderen Jubiläum zu gratulieren. Das Ehepaar feierte nämlich seine diamantene Hochzeit. Wenngleich die eigentliche Feier schon am Sonntag stattfand. "Montags zu feiern ist doch belämmert", finden die Jubilare, die ihren Ehrentag deshalb vorzogen - der Familie und Freunde wegen.
Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs - Heinz Schewe diente und geriet in Gefangenschaft, Marianne Schewe erlebte die Luftangriffe auf Leipzig - lernten sich beide in Mehringen kennen. "Mein Bruder wohnte hier", erklärt die 90-Jährige, deren Schwägerin sie seinerzeit zum Ausgehen ermutigte - als junges Mädchen müsse man doch mal tanzen gehen. Das machte die Leipzigerin und lernte prompt den in Mehringen fest verwurzelten Heinz kennen. "Wir schmiedeten schon nach kurzer Zeit Heiratspläne", erinnert sich die rüstige Jubilarin. Ein Hochzeitstermin war schnell gefunden, man einigte sich auf den 18. März, den Gründonnerstag im Jahr 1946. Gefeiert wurde in Leipzig im engsten Familienkreis. Karfreitag ging es für die Frischvermählte in die neue Heimat. "Und schon am Ostersonnabend habe ich, das Stadtmädchen, gelernt, wie man Kartoffeln pflanzt", erinnert sie sich, als ob es erst gestern gewesen wäre.
Die Umstellung von Stadt- auf Landleben sei groß gewesen, gibt sie zu, "aber ich habe es zu keiner Zeit bereut". Arbeit fand sie im Betrieb ihres Mannes, der als Maler selbstständig war - bis 1957. Doch selbst danach trennten sich ihre beruflichen Wege nicht. Als der Schlachthof in Aschersleben Produktionsbetrieb wurde - Marianne Schewe führte schon zuvor die Fleischbeschauung in Mehringen, Drohndorf und Westdorf durch - fanden sie und ihr Mann eine Anstellung im veterinärmedizinischen Dienst. Bis zur Rente arbeiteten sie dort.
"Wir haben alles gemeinsam gemacht", bringt es Heinz Schewe auf den Punkt. Gemeinsam leben, gemeinsam arbeiten, gemeinsam alt werden. Gemeinsam sind sie mit den Schicksalsschlägen fertig geworden, die ihnen über die Jahre aufgebürdet wurden. Gemeinsam haben sie aber auch die schönen Seiten des Lebens genossen und genießen bis heute die Zeit miteinander. "Wir sind glücklich über jeden Tag", sagt Marianne Schewe und schaut ihren Heinz liebevoll an. Und der weiß auch ganz genau, was er an seiner Frau hat: "Sie ist mein Sechser im Lotto!"
Mitteldeutsche Zeitung VON SUSANNE THON, 18.04.11