Den Krach im Elternhaus riskiert - Christa Pupke, Chefin der »Villa Kunterbunt«, arbeitet seit 40 Jahren mit Kindern

Den Krach im Elternhaus riskiert - Christa Pupke, Chefin der »Villa Kunterbunt«, arbeitet seit 40 Jahren mit Kindern

Frau Pupke mit Ihren KindernVorlesestunde: Leiterin Christa Pupke inmitten ihrer Kinder. (Foto: Thon)

Mehringen/MZ. Kindergärtnerin, "das war das, was ich machen wollte." Damals, als sich Christa Pupke heimlich an der pädagogischen Schule beworben, damit die Tradition der Bürokaufleute innerhalb ihrer Familie gebrochen und aufgrund dieser "Oppositionshaltung" gegen den eigenen Vater einen ordentlichen Familienkrach heraufbeschworen hat. Der Zoff war zwar recht schnell wieder beigelegt, "wenn ich aber die Nase voll hatte, dann habe ich das nicht erzählt", erinnert sich die Chefin der "Villa Kunterbunt" an ihre ersten Gehversuche. Aber das, was sie machen wollte, ist auch jetzt, Jahre später noch das, was sie tut. Kürzlich konnte die Leiterin der Mehringer Kindertagesstätte, die ursprünglich aus Leipzig stammt, wo sie ihre ersten 20 Arbeitsjahre absolvierte, ihr 40-jähriges Dienstjubiläum begehen. 1989 hat sie die Einrichtung übernommen, ist mit dieser in die Grundschule gezogen. Etlichen Kindern hat sie Wesentliches mit auf den Weg gegeben, hat sie großwerden sehen. Die Liebe zum Kind und Kreativität seien das Rüstzeug für einen Beruf wie diesen - oder wäre der Begriff Berufung passender? Dinge so zu verflechten, dass die Kinder gar nicht merken, dass sie lernen, mit wachem Auge das Ortsgeschehen aufnehmen und generell alles nutzen, was einem über den Weg läuft - das mache den Kindergartenalltag interessant: "zwanglos, aber effektiv". Die Kinder danken es, "ich bekomme noch heute Post" und viele Ehemalige lassen sich auch Jahre später noch sehen zu den öffentlichen Festen, die der Kindergarten veranstaltet, wie dem Laternen- und Kürbisfest oder dem Weihnachtsmarkt. Und irgendwie gehöre man auch ein Stück zur Familie: "Man weiß so viel von den Kindern, ob nun ihr Hamster krank ist oder die Mutti schwanger."

72 Kinder bis sechs Jahren besuchen die idyllisch im Grünen gelegene Einrichtung. 2003 hat sie hier Domizil bezogen. "Das war eine anstrengende Zeit", erinnert sich Pupke an den Umzug, "jede Farbe, jede Türklinke haben wir ausgesucht, wir wurden neu zusammengewürfelt." Stressig geht es heute mitunter auch zu. "Wir brauchen noch eine Hand mehr", erzählt die Kitaleiterin, zu deren Team vier Mitarbeiterinnen und eine Reinigungskraft sowie zeitweise Praktikanten und Ein-Euro-Kräfte gehören von gelaufenen Gesprächen. Und überhaupt funktioniere die Zusammenarbeit. Auch mit der Schule und dem Bürgermeister: "Der steht immer hinter dem Kindergarten und versucht alles, was machbar ist."

"Man darf das eigentlich nicht an sich ranlassen, aber es hat mir jedes Mal wehgetan, wenn eine Gruppe gegangen ist", sagt die 59-Jährige, die selbst Ende des Jahres aus dem Dienst ausscheiden wird. "Das ist mit sehr viel Wehmut verbunden", weiß sie, wenngleich es ihr nicht langweilig werden wird. Zwar ist Mehringen ein Stück weit Heimat geworden für die Mutter dreier Kinder und Oma dreier Enkel, doch zieht es sie regelmäßig zurück nach Leipzig, zur Familie, in die Stadt. Und dann, wenn sie zu Hause ist, gibt's ja auch noch den Garten, ihr Hobby, das Töpfern - in der Schule bietet sie einen Kurs an - oder den einen oder anderen Krimi, der gelesen werden möchte.

Mitteldeutsche Zeitung VON SUSANNE THON, 22.09.08, 18:16h, AKTUALISIERT 22.09.08, 20:38h

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