Chance auf Frischzellenkur für Stephaneum - Grundschule Mehringen auf Platz 6 des Landkreises
Die desolate Sporthalle soll zur Mensa umgebaut werden. (FOTO: FRANK GEHRMANN)
ASCHERSLEBEN/MZ. Der Keller ist nass, der Schwamm macht sich breit, die Fassade bröckelt, die Fenster haben ihre besten Zeiten längst hinter sich, das Eingangsportal könnte einladender sein und die Sporthalle gleicht eher einer Ruine. Keine Frage - das Haus II des Ascherslebener Gymnasiums Stephaneum hat eine Sanierung dringend nötig. Stellt sich die Frage: Wer soll das bezahlen? Die Antwort könnte lauten: das Land Sachsen-Anhalt - zumindest den größten Teil. Den Rest von 30 Prozent der Sanierungskosten müsste die Stadt selbst aufbringen.
Um die baulichen Missstände zu beseitigen und die Sporthalle - wie von der Stadt geplant - in eine Mensa umzubauen, müssen rund 2,4 Millionen Euro flüssig gemacht werden. Davon könnten rund 1,7 Millionen Fördermittel aus dem sogenannten Stark III-Programm, welches vom Finanzministerium des Landes zur Sanierung von Schulgebäuden und Kindertagesstätten aufgelegt wurde, kommen. Das Problem - im Land haben auch sehr viele andere Bildungseinrichtungen eine bauliche Frischzellenkur nötig und melden ihren Anspruch auf finanzielle Förderung an. Deshalb hat das Finanzministerium in Magdeburg von den Landkreisen Prioritätenlisten angefordert, in denen die Dringlichkeit der Projekte per Rangfolge aus Sicht der Kreise aufgelistet wird. Die von der Verwaltung des Salzlandkreises aufgestellte Liste stand am Mittwoch im Schul- und Kulturausschuss des Kreises, der in der Ascherslebener Kreisbibliothek beriet, zur Diskussion.
Damit hatte sich Ausschussvorsitzender und Ascherslebener Oberbürgermeister Andreas Michelmann durchgesetzt, nachdem Landrat Ulrich Gerstner das Thema allein im Kreisausschuss behandeln wollte, bevor der Kreistag am 9. Mai die Liste endgültig absegnen soll. Michelmann hatte sogar eine Ausschusssitzung platzen lassen, indem er seine Unterschrift unter der Einladung verweigerte, weil die Beratung der Prioritätenliste nicht Gegenstand der Diskussion in seinem Fachausschuss sein sollte.
Am Mittwoch stimmten sieben von acht Ausschussmitglieder - bei einer Enthaltung - für die vom Landkreis aufgestellte Prioritätenliste, die damit größte Chancen hat, auch vom Kreistag durchgewunken zu werden. Passiert das, dürfen sich die Ascherslebener Hoffnung machen, dass das Haus II des Stephaneums saniert werden kann. Das Projekt wurde in der Kategorie "Gymnasien" auf Platz eins gesetzt und damit mit der höchsten Priorität bedacht. Am Ende bleibt aber immer noch die bange Frage, wie wichtig die Sanierung des Ascherslebener Gymnasiums den Geldverteilern im Magdeburger Finanzministerium ist. Denn - an maroden Schul- und Kita-Gebäuden mangelt es in Sachsen-Anhalt nicht. Das Stephaneum wäre eigentlich auch deshalb dran, weil die Förderung dessen Sanierung bereits im Jahr 2008 schon einmal nur ganz knapp gescheitert war.
Kaum Aussicht auf Erfolg dürfte dagegen eine durch "Stark III" geförderte Sanierung der Grundschule im Ortsteil Mehringen haben. Das mit insgesamt gut drei Millionen Euro veranschlagte Projekt findet sich auf der Prioritätenliste des Salzlandkreises für die Grundschulen im ländlichen Raum auf Platz sechs wieder. Größtes Handicap war hier der Demografie-Check, mit dem überprüft werden soll, ob eine Schule auch in 15 Jahren noch genügend Schüler haben wird. Gefordert sind hier 100 Schüler. Die Stadt Aschersleben kam in dieser Sache mit ihren Zukunfts-Berechnungen auf 84, die Verwaltung des Landkreises auf gerade einmal 50. Beide Zahlen reichen für eine Förderung hinten und vorne nicht. Damit dürfte sich an der Situation der Mehringer Grundschule, die seit geraumer Zeit im Ascherslebener Bestehornpark untergebracht ist, nichts ändern. "In absehbarer Zeit wird das wohl so bleiben", sagte am Donnerstag auch OB Michelmann.
Mitteldeutsche Zeitung VON HARALD VOPEL, 03.05.12