Betroffene führen heiße Debatten ums kühle Nass
Der Deich entlang der Wipper in Mehringen soll den Fluss in Schach haltent, (FOTO: FRANK GEHRMANN)
MEHRINGEN/MZ. Hochwasser, Grundwasser. Grundwasser, Hochwasser. Worte, die in diesen Tagen für reichlich Konfliktpotenzial sorgen. Auf der einen Seite die Betroffenen, die ihr Hab und Gut gefährdet sehen. Auf der anderen Seite die, die nun gefordert sind, Abhilfe zu schaffen. Dass das aber so einfach nicht ist, zeigte sich am Dienstagabend auf der Ortschaftsratssitzung in Mehringen. Die Diskussion darüber, wo Ursache und Wirkung liegen, verlief trotz aller Emotionen sachlich. Zunächst informierte Karin Herdam vom Tiefbauamt der Stadt Aschersleben, dass eine Arbeitsgruppe gebildet worden ist, in der die zuständigen Ämter von Stadt und Salzlandkreis mitarbeiten.
"Wir sind auf die Informationen aus den Ortsteilen angewiesen", wirbt Frau Herdam um die Mitarbeit. Außerdem wolle die Gruppe alle Verantwortlichen an einen Tisch holen, um abklären zu können, wer für was zuständig sei, um Lösungen angehen zu können.
Die Tiefbauamt-Mitarbeiterin verwies zudem noch darauf, "dass jeder Grundstückseigentümer für sein Grundstück selbst verantwortlich ist, sein Objekt zu entwässern. Die Stadt kann dabei unterstützen. Wir versuchen natürlich auch, finanzielle Unterstützung zu bekommen." Für die kommende Woche sei eine Zusammenkunft mit den Unterhaltungsverbänden angesetzt, so Karin Herdam. Ortsbürgermeister Albrecht Schneidewind sprach von großen Anstrengungen, die erforderlich seien, um dieses Problem anzugehen. Und Ratsmitglied Holger Herrmann sagte: "Wir müssen Druck aufbauen, das ist unsere Pflicht als Kommunalpolitiker und immer wieder den Finger auf die Wunde legen."
CDU-Landtagsabgeordneter Detlef Gürth informierte von den Anstrengungen des Landes und wie kompliziert es eben aufgrund unterschiedlicher Zuständigkeitsbereiche sei, das Problem auch kurzfristig anzugehen. Das Umweltministerium habe deshalb eine sogenannte schnelle Eingreiftruppe ins Leben gerufen, die alle Verantwortlichen an einen Tisch holen soll, um weitere Schritte, ob kurz- oder langfristig, einzuleiten. Das Umweltministerium jedenfalls sei bestrebt, für jede Region einen Plan zu erstellen, wie, wann, was gemacht werde. "Wir dürfen nicht in Aktionismus verfallen", gibt der Landespolitiker zu bedenken.
Nicht alle im Saal wollten sich damit abfinden, forderten Hilfen ein, denn viele seien bereits aus finanziellen Gründen an ihre Grenzen gestoßen. Nicht zuletzt leide auch die Lebensqualität der Bürger unter dieser Situation, sagt Schneidewind, der von den Verantwortlichen einfordert, alte Grabensysteme wieder in Gang zu setzen.
"Unsere Vorväter haben sich schon etwas dabei gedacht, Flutgräben anzulegen", meint Landwirt Schneidewind. Außerdem müsse das Wipperbett wieder auf das Niveau gebracht werden, wie es ursprünglich einmal war. Dann könne das Wasser auch ungehindert abfließen, ist sich Albrecht Schneidewind sicher. Und er ist froh, dass nun endlich zur Tat geschritten werde, um dem Problem auf den Grund zu gehen. Die Sanierung der Flutgräben habe seiner Meinung nach den Vorrang. Und die Bürger benötigen Sicherheit, denn die Kosten für Strom explodieren, ganz abgesehen von den Kosten für die Renovierung der Häuser. An dieser Stelle bedankte er sich bei allen Feuerwehrleuten und freiwilligen Helfern für ihren Einsatz in den vergangenen Wochen.
Mitteldeutsche Zeitung VON ELFI SCHURTZMANN, 26.01.11