Altes Mehringer Pfarrhaus wurde 1608 gebaut

Altes Mehringer Pfarrhaus wurde 1608 gebaut

Pfarrhaus MehringenVorsichtig entfernt Ortsbürgermeister Albrecht Schneidewind den Putz vom Holz. Darunter ist ein Schriftzug zu sehen. (FOTO: FRANK GEHRMANN)
 
MEHRINGEN/MZ. Das Geheimnis des alten Pfarrhauses in Mehringen ist gelüftet. Ein neu entdeckter Schriftzug, der lange Jahre durch Putz im Verborgenen lag, hat es verraten: Das Haus wurde 1608 gebaut und als Pfarrer war damals Johann Georg Geus darin tätig.


 

Der Schriftzug am alten Pfarrhaus verrät sein Alter. (FOTO: GEHRMANN)
Inschrift Pfarrhaus Mehringen
"Mit dem Nachnamen sind wir uns noch nicht ganz einig. Der ist nicht so einfach zu erkennen. Da werden wir in der Chronik nachlesen und gegebenenfalls den Lesefehler korrigieren müssen", sagt ein glücklich wirkender Ortsbürgermeister Albrecht Schneidewind. Er selbst ist vor Ort und beseitigt den lockeren Putz vom Kantholz, auf dem am Tag des offenen Denkmals, am 9. September dieses Jahres, die ersten Schriftzeichen mehr zufällig entdeckt wurden.
Genau über dem Eingang war damals etwas Putz abgefallen. Familie Rosi und Gerd Lange, die über viele Jahre im ehemaligen Pfarrhaus gewohnt haben und sich von weitem das Haus ansehen, meinten plötzlich "da steht doch was", erinnert sich Albrecht Schneidewind. Und beim genaueren Hinsehen wurde dann auch noch ein Fachwerk sichtbar.
"Das Fachwerk gibt es in Mehringen nicht oft. Wir haben vermutet, dass auf dem Holz die Jahreszahl der Erbauung zu finden ist und vielleicht noch ein Bibelspruch oder dass sich hier die Erbauer des Hauses verewigt haben", sagt der Ortsbürgermeister und lag damit gar nicht so daneben.
Nach der Entdeckung informierte Albrecht Schneidewind die Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde der Landkreisverwaltung, des Denkmalschutzes und auch des Bauamtes der Stadt Aschersleben. Die Fachleute bestätigten den Fachwerkbau.
Schließlich habe man dem Ortsbürgermeister erlaubt, den lockeren Putz vorsichtig zu entfernen. Das ließ sich Albrecht Schneidewind nicht zweimal sagen und so war er gleich mit einer hohen Leiter und Gerd Lange vor Ort, um zur Tat zu schreiten. Der Putz werde soweit abgetragen, wie lang die Schrift verläuft. "Und wir haben auf dem Kantholz auch gleich ein Holzschutzmittel aufgetragen, um es vor Fäulnis und Ungeziefer zu schützen. Durch diesen Schutz sieht das Holz wie neu aus", freut sich der Ortsbürgermeister. Der Schriftzug, der langsam immer deutlicher wird, ist in sauberen deutschen Buchstaben mit einem Stemmeisen eingraviert worden.
Nur zu gern würden die Mehringer auch eine Sanierung des ganzen Gebäudes ins Auge fassen. Denn in dem ehemaligen Pfarrhaus ist seit einigen Jahren die Heimatstube untergebracht.
Im Gebietsänderungsvertrag hatte sich die Stadt außerdem dazu verpflichtet, das Pfarrhaus als eines der ältesten und maßgeblich ortsbildprägenden Gebäude herzurichten. "Ich gehe davon aus, dass das auch irgendwann passieren wird. Auf jeden Fall werden für diese Sanierung Fördermittel gebraucht und die sind leider nicht so leicht zu bekommen", weiß er aus Erfahrung. Das alte Gebäude liege ihm sehr am Herzen, denn "es war im Dreißigjährigen Krieg wohl das einzige Gebäude mit Dach, das damals in Mehringen stehen geblieben ist. Mehrere Jahre war der Ort daraufhin nicht bewohnt. Die Mehringer haben Schutz in Aschersleben gesucht", verrät das Ortsoberhaupt.

Mitteldeutsche Zeitung VON MARION POCKLITZ, 19.10.12

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